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Desmond Tutu

Erzbischof, Menschenrechtsvertreter, politischer Aktivist
Friedensnobelpreis 1984
Biografie

Desmond Tutu kam in Klerksdorp in der früheren südafrikanischen Provinz Transvaal zur Welt. Seine Familie siedelte nach Johannesburg über, als er 12 Jahre alt war. Dort besuchte er die Johannesburg Bantu High School. Eigentlich wollte er immer Arzt werden, aber diese Ausbildung konnte sich seine Familie nicht leisten. Desmond Tutus Vater war Lehrer, also studierte er Lehramt am Pretoria Bantu Normal College und beendete 1954 sein Studium an der Universität von Südafrika.

Die südafrikanische Regierung verweigerte den farbigen Südafrikanern alle Bürgerrechte. Die National Party war dank ihres Wahlversprechens der Einsetzung eines Apartheidsystems -- das bedeutet die absolute Trennung der Rassen -- an die Macht gekommen. Alle Südafrikaner wurden von Staats wegen einer offiziellen Bevölkerungsgruppe zugewiesen; jede Gruppe durfte nur in abgegrenzten Gebieten leben und hatte streng getrennte öffentliche Einrichtungen zu besuchen. Ausschließlich die weißen Südafrikaner durften an den Parlamentswahlen teilnehmen. Die schwarzen Südafrikaner wurden nur in den Provinzregierungen der dezentralen "Homelands" vertreten. Mischehen waren untersagt, Schwarze wurden gesetzlich von gewissen Berufen ausgeschlossen und durften keine Gewerkschaften gründen. Für Reisen innerhalb des Landes war ein Pass erforderlich; Kritiker am politischen System konnten mit Redeverbot in der Öffentlichkeit und Hausarrest belegt werden.

Da die Regierung gesetzlich verordnete, dass farbige Kinder eine schlechtere Ausbildung erhalten sollten als weiße, verweigerte Desmond Tutu die Zusammenarbeit. Er musste seinen Beruf als Lehrer aufgeben, war jedoch entschlossen, etwas zu unternehmen, um das Leben seiner entrechteten Mitbürger zu verbessern. Auf Anraten seines Bischofs hin studierte er anglikanische Theologie. 1960 wurde Tutu als Priester in die anglikanische Kirche aufgenommen. Zu dieser Zeit unternahm die südafrikanische Regierung die ersten Umsiedlungen von schwarzen Afrikanern und Asiaten aus neu benannten "weißen" Gebieten. Millionen Menschen wurden in die "Homelands" deportiert und durfen nur als "Gastarbeiter" zurückkehren.

Von 1962 bis 1966 lebte Desmond Tutu in England, wo er einen Master-Abschluss der Theologie erwarb. In den folgenden fünf Jahren lehrte er Theologie in Südafrika und kehrte dann nach England zurück, um als stellvertretender Direktor des World Council of Churches in London zu arbeiten. 1975 wurde er als erster schwarzer Afrikaner Dekan der anglikanischen St. Mary’s-Kathedrale in Johannesburg. Von 1976 bis 1978 wirkte er als Bischof von Lesotho. 1978 wurde er der erste schwarze Generalsekretär des South African Council of Churches.

Diese Position versetzte Bischof Tutu in die Lage, sich landesweit Gehör zu verschaffen und das Apartheidsystem als "böse und unchristlich" anzuprangern. Tutu rief dazu auf, allen Südafrikanern die gleichen Rechte zuzugestehen und ein allgemeines Bildungssystem einzurichten. Er forderte die Abkehr von der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und ein Ende der zwangsweisen Umsiedlungsprogramme. Außerdem stand er für den gewaltlosen Widerstand gegen das Apartheidregime und befürwortete den Wirtschaftsboykott seines Landes. Die Regierung entzog ihm seinen Pass um ihn daran zu hindern, ins Ausland zu reisen und dort Vorträge zu halten. Sein Fall wurde jedoch bald weltweit bekannt. Angesichts des internationalen Aufschreis sah sich die Regierung gezwungen, ihm seine Papiere wiederzugeben.

1984 wurde Desmond Tutu mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, "nicht nur als Zeichen der Unterstützung für ihn selbst und dem South African Council of Churches, dem er vorsteht, sondern auch für alle anderen Einzelpersonen und Gruppen in Südafrika, die sich durch ihren Einsatz für Menschenwürde, Brüderlichkeit und Demokratie die Bewunderung der Welt erworben haben."

Zwei Jahre später wurde Desmond Tutu zum Erzbischof von Kapstadt gewählt. Er war der erste schwarze Afrikaner auf diesem Posten, der ihn gleichzeitig zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche in Südafrika machte (so wie der Erzbischof von Canterbury das geistige Oberhaupt der Church of England ist). Wirtschaftlicher Druck von außen und interne Uneinigkeit zwangen die südafrikanische Regierung dazu, Reformen durchzuführen. 1990 wurde Nelson Mandela, Mitglied des ANC, nach fast 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Im folgenden Jahr begann die Regierung, die einzelne Bevölkerungsgruppen diskriminierenden Rechtsbestimmungen zurückzunehmen.

Nachdem im Jahr 1994 die ersten Wahlen nach Aufhebung der Rassentrennung stattgefunden hatten, ernannte Präsident Mandela Erzbischof Tutu zum Vorsitzenden der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die die Menschenrechtsverletzungen der vergangenen 34 Jahre aufzuarbeiten hat. Wie stets zuvor riet der Erzbischof auch weiterhin zu Vergebung und Zusammenarbeit statt Rache für vergangenes Unrecht. 1996 legte er sein Amt als Erzbischof von Kapstadt nieder und ist nun emeritiert. Zwei Jahre lang lehrte er Theologie als Gastprofessor an der Emory University in Atlanta, Georgia (USA). Von ihm stammen auch Veröffentlichungen seiner Reden, Predigten und Schriften wie Crying in the Wilderness, Hope and Suffering und The Rainbow People of God.

2007 schlossen sich Desmond Tutu, der frühere Südafrikanische Präsident Mandela, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan und die ehemalige Staatspräsidentin Irlands Mary Robinson zu The Elders zusammen. Ziel der Gruppe ist es, die Erfahrung und den öffentlichen Einfluss der früheren Staatsmänner zur Lösung globaler Probleme außerhalb der üblichen diplomatischen Wege einzusetzen. Tutu wurde zum Sprecher der Gruppe ernannt. Zusammen mit Jimmy Carter hat Tutu die Darfur-Region, Gaza und Zypern bereist, um die andauernden Konflikte lösen zu helfen. Desmond Tutus historische Erfolge -- und sein steter Einsatz zur Förderung des Friedens in der Welt -- wurden 2009 von den Vereinigten Staaten offiziell anerkannt, indem Präsident Barack Obama ihn zum Träger der höchsten zivilen Auszeichnung des Landes ernannte, der Presidential Medal of Freedom. Später im gleichen Jahr erhielt Desmond Tutu, dieses Mal von der National University of Ireland, eine weitere hochrangige Auszeichnung, welche ihm von Sir Bob Geldorf für sein Lebenswerk in humanitären Projekten überreicht wurde.

Erzbischof Desmond Tutu gehört heute zu den beeindruckendsten Veranstaltungsrednern weltweit.

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